Zurück auf dem Wachstumspfad

Vom Lehrling zum CEO: Patrick Müller hat seinen einstigen Lehrbetrieb einer Frischzellenkur unterzogen. Um nachhaltig wachsen zu können, benötigte die Walker Group eine weitsichtige Finanzierungsplanung und liquide Mittel.

Patrik Muoser von Raiffeisen, Patrick Müller, Inhaber Walker Group und Edi Platter vom RUZ (v.l.)

29.04.2019

Herr Müller, als Sie die Walker Group 2016 übernommen haben, waren die Umsätze rückläufig. Warum sind Sie dieses Risiko eingegangen?
Patrick Müller: Die Situation bei der Übernahme war wirklich nicht einfach, doch ich habe fest an das Potenzial des Unternehmens geglaubt. Zudem fühlte ich mich der Walker Group persönlich sehr verbunden, da ich über zehn Jahre im Betrieb tätig war.

Wie konnten Sie das Steuer herum­ reissen?
Patrick Müller: Da das Geschäft stagnierte, ging es zuerst darum, die Kosten in den Griff zu bekommen. Wir haben eine Reorganisation eingeleitet und den Personalbestand anfänglich deutlich reduziert. Ganz aus eigener Kraft war es uns aber nichtmöglich, eine neue Wachstumsphase einzuleiten.

Wo benötigten Sie Unterstützung?
Patrick Müller: Bei den liquiden Mitteln. In unserer Branche sind Vorfinanzierungen von bis zu 80 Prozent die Regel. Um das geplante Wachstum umzusetzen, brauchten wir rund dreimal so hohe Banklimiten wie bisher. Gleichzeitig benötigten wir mehr Liquidität bei den Produktionskosten, um das wachsende Auftragsvolumen zu stemmen. Deshalb ging ich 2018 auf Raiffeisen zu.

In dieser Situation dürfte es nicht einfach gewesen zu sein, einen Kredit zu erhalten. Weshalb hat Raiffeisen an die Walker Group geglaubt?
Patrik Muoser: Patrick Müller konnte mir seine Wachstumspläne plausibel darlegen. Da er die Neuausrichtung zielstrebig umsetzte, war ich überzeugt, dass das Wachstum nicht lange auf sich warten lassen würde, wenn die Walker Group die nötigen Mittel erhält. Für eine Kreditprüfung war es jedoch noch zu früh, weil noch nicht alle Kriterien der Bank erfüllt waren, etwa in Bezug auf die Langfristplanung. Um die Voraussetzungen für die Wachstumsfinanzierung zu schaffen, nahm ich Kontakt mit dem Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ) auf.
Edi Platter: Als mir Patrik Muoser den Fall zeigte, waren wir uns rasch einig, dass die Grundlagen für das geplante Wachstum vorhanden sind. Die Businesspläne von Patrick Müller hatten Hand und Fuss, doch die Zahlen waren für die Kreditprüfung noch nicht optimal aufbereitet. Mitte 2018 trafen wir uns in Amsteg zum Unternehmergespräch.
Patrick Müller: Ich war überrascht, dass sich Raiffeisen vom stagnierenden Geschäftsgang nicht beeindrucken liess, sondern den Fokus auf die Zukunft richtete. Die Chemie stimmte auf Anhieb. Ich merkte sofort, dass Edi Platter der ideale Partner ist, um meine Pläne weiterzuentwickeln.

Haben Sie Ihre Pläne auch anderen Banken unterbreitet?
Patrick Müller: Ja, ich habe verschiedenste Gespräche geführt. Dabei standen jedoch stets die aktuellen Zahlen im Vordergrund und nicht die künftigen Möglichkeiten. Edi Platter und Patrik Muoser hingegen kamen persönlich zu uns in den Betrieb und erkannten das Potenzial von Infrastruktur und Team rasch.

Wie konnte Sie das RUZ unterstützen?
Patrick Müller: Für mich war vor allem die Unterstützung bei der unternehmerischen Finanzierungsplanung wertvoll. Ich hatte bereits klare Vorstellungen, wie ich die Walker Group in die Zukunft führen möchte, brauchte jedoch beim Ausarbeiten der Details Unterstützung. Edi Platter konnte mich optimal beraten, weil er selbst unternehmerische Erfahrung hat. Wir diskutierten auf Augenhöhe, und er sagte mir ganz offen, was für ihn realistisch ist und was nicht.
Edi Platter: Wir haben die Businesspläne zusammen verfeinert und den Anforderungen der Bank angepasst. Dabei haben wir vor allem auch die positive Entwicklung des Auftragsbestands ins richtige Licht gerückt. Damit die Planung möglichst realistisch war, kalkulierten wir verschiedene Szenarien. Um eine ganzheitliche Sichtweise sicherzustellen, haben wir auch den Verwaltungsrat einbezogen.

Wo lagen die grössten Herausforde­ rungen?
Edi Platter: Nachfolgelösungen sind oft ein Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft. Einerseits geht es um die Rückzahlung der Nachfolgefinanzierung, andererseits um die Finanzierung des künftigen Wachstums. Auch in diesem Fall war dies eine Herausforderung.
Patrik Muoser: Hinzu kam, dass die Finanzierungsverhältnisse sehr komplex waren. Die Walker Group gliedert sich in zwei Firmen: die Walker Stahl- und Metallbau AG und die Walker Türen und Tore AG. Die beiden AGs gehörten ursprünglich zu einer Holding, in die auch noch eine Immobiliengesellschaft integriert war.

Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
Edit Platter: Wir haben die finanziellen Verflechtungen der beiden Firmen analysiert und entflochten. Dabei wurde deutlich, dass der Fokus nicht nur auf dem operativen Geschäft liegen darf. Stattdessen wählten wir eine konsolidierte Betrachtungsweise auf Stufe der Beteiligungsgesellschaft. Dies war eine solide Basis für die gesamte Finanzierungsplanung. In Sondierungsgesprächen mit der Bürgschaftsgenossenschaft klärte ich die letzten Details. Als im September 2018 alle Voraussetzungen erfüllt waren, haben wir den Finanzierungsantrag an Patrik Muoser zur Kreditprüfung übergeben.

Welche Finanzierungslösung konnten Sie der Walker Group anbieten?
Patrik Muoser: Durch einen Rahmenkredit haben wir den Spielraum bei den liquiden Mitteln massiv ausgeweitet. Rund die Hälfte der Limite steht der Walker Group für Gewährleistungsgarantien zur Verfügung. Die andere Hälfte dient als Kontokorrent zur Deckung der Liquiditätsbedürfnisse des laufenden Geschäfts.

Wie hat sich das Unternehmen seit der Übernahme verändert?
Patrick Müller: Wir haben unsere Prozesse konsequent auf Lean Management ausgerichtet, viel in die Unternehmenskultur investiert und den Teamgeist durch einen partizipativen Führungsstil gestärkt. Anfang 2019 stellten wir die Geschäftsleitung neu auf.
Patrik Muoser: Aus meiner Sicht war auch die Professionalisierung des Verwaltungsrats eine wichtige Veränderung. Früher war dieser eine One-Man-Show, heute ist er hochkarätig und interdisziplinär besetzt. Das hat auch bei der Finanzierungsplanung geholfen.

Ist die Walker Group wie geplant gewachsen?
Patrick Müller: Wir liegen sogar deutlich über den Zielen. Gegenüber 2017 haben wir den Umsatz 2018 verdoppelt. Auch unser Personal hat sich mittlerweile fast wieder verdoppelt, und wir konnten in den letzten zwei Jahren 22 neue Mitarbeitende einstellen. Zudem haben wir in Zug im letzten Jahr eine zweite Niederlassung eröffnet.

Über die Walker Group

Ein unbeheizter Schuppen, ein paar einfache Maschinen und vier Machertypen: der Chef, seine Frau, ein Mitarbeiter und ein Lehrling – so wurde im Jahr 2000 die Walker Stahl- und Metallbau GmbH in Amsteg (UR) gegründet. Der Produktionsbetrieb wuchs rasant und zog 2008 in eine grosse Produktionshalle um. Heute gliedert sich die Walker Group in zwei Firmen: die Walker Stahl- und Metall- bau AG und die Walker Türen und Tore AG. Mit 45 Mitarbeitenden ist das Unternehmen der wichtigste Arbeitgeber der Gemeinde Silenen.

Quelle: Hofbauer, Ralph: Zurück auf dem Wachstumspfad, in: Savoir Faire (1/2019), S. 20-22.