Fit für den Markt?

Um die betriebliche Fitness am Markt hochzuhalten, braucht es ab und zu eine Aussensicht, findet Ibi Bertschi, selbst Unternehmerin und Begleiterin im Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ).

29.06.2018

Frau Bertschi, mit welchen Herausforderungen sind Betriebe mit 20 bis 50 Mitarbeitenden heute am häufigsten konfrontiert?
Eine wesentliche Herausforderung ist die zunehmende Komplexität. Damit meine ich nicht primär operative Inhalte, mit denen sich KMU im Alltag befassen. Immer komplexer wird hingegen das ganze Umfeld. Da spielt sicher die Digitalisierung eine Rolle, es stellen sich Fragen wie: Muss ich auf Facebook präsent sein oder bin ich von der Umstellung des Zahlungsverkehrs betroffen? Die äusseren Einflüsse auf Unternehmer, dazu gehören sicherlich auch regulatorische Neuerungen, haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In diesem «Dschungel» den Überblick zu bewahren, braucht Zeit und ist nicht immer einfach.

Wo geht diese Zeit ab?
Unternehmer unter Zeitdruck sparen in der Regel bei den nicht spezialisierten Kernaufgaben wie Marketing, Weiterbildung oder Vertrieb. Zum Beispiel schieben sie ein Projekt wie «Modernisierung der Homepage» auf die lange Bank. Das geht auf Dauer selten gut.

In welchen Situationen rächen sich solche Versäumnisse? Meistens dann, wenn eine gravierende Veränderung eintritt. Ein wichtiger Kunde springt ab oder eine schnelle interne Nachfolgelösung muss gefunden werden. Plötzlich verliert ein Unternehmen seine Basis und spürt erst dann, dass es sich darauf zu wenig vorbereitet hat und nicht fit genug ist, um die Situation zu meistern.

Kann man eine solche Transformation über Nacht vollziehen?
Schön wäre es, aber leider total unrealistisch. Sechs bis zwölf Monate müssen sich KMU schon Zeit geben, das ist eine durchschnittliche Richtgrösse. Es geht ja oft darum, gewisse Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu ändern und diese auch den Mitarbeitenden nachhaltig vorzuleben. Das klappt nicht von heute auf morgen und betrifft übrigens meist nicht die erfolglosen, sondern die höchst erfolgreichen Firmen.

Haben Sie ein Beispiel? Ein ganz konkretes und schönes: Ein Unternehmer besuchte uns, dessen Geschäft wie geschmiert läuft. Er wächst rasant und stellt perma- nent neue Leute ein. Beim Gespräch kam heraus, dass seine Liquidität gleichwohl etwas dünn ist. Der Grund: Vor lauter Aufträgen für immer mehr Kunden ging zunehmend vergessen, diesen die geleistete Arbeit auch zeitnah in Rechnung zu stellen.

Quelle: Wildli, Robert: Fit für den Markt, in: Savoir Faire (2/2018), S. 34.