Der RUZ Wirtschaftsausblick 2019 mit MEM-Fokus

Harte Währung, tiefe Zinsen, volatile Märkte – dieses Trio begleitet Unternehmer durch die nächsten zwölf Monate. Martin Neff präsentierte zusammen mit dem RUZ und Swissmem im Raiffeisen Forum in Bern den Wirtschaftsausblick 2019. Zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer folgten der Einladung.

17.01.2019

Die Schweizer Wirtschaft ist 2018 beeindruckend stark gewachsen. Rund 2,8 Prozent dürfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) etwa zugelegt haben. «Dieses Wachstum war für Schweizer Verhältnisse sehr sportlich», sagte Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen, anlässlich des Wirtschaftsausblicks für 2019.

Die Perspektiven der Schweizer Wirtschaft beurteilt Martin Neff etwas skeptischer. Dies sei jedoch kein Grund zur Sorge, erklärte der Raiffeisen Chefökonom. «2018 war ein ausgesprochen gutes Jahr, das nicht als Normalfall angesehen werden darf.» So habe etwa die Fussball-WM für Sondereinflüsse beim BIP gesorgt. Mit Blick auf die kommenden Monate rechnet Martin Neff mit folgenden Entwicklungen:

Schweizer Wirtschaft schaltet einen Gang zurück
Raiffeisen rechnet 2019 mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent. «Im Vergleich zum Vorjahreswert könnte das als Einbruch interpretiert werden», kommentierte Neff seine vorsichtige Prognose. Letztlich sei es aber eine Normalisierung. Dass die Prognose deutlich verhaltener ausfällt als im Vorjahr liegt vor allem an zwei Faktoren: Zum einen hat das globale Wachstum den Höhepunkt überschritten, in den USA und in China, aber auch in Europa. Zum anderen lasten die geopolitischen Unsicherheiten auch 2019 schwer auf der kleinen aber offenen Schweizer Volkswirtschaft, insbesondere der Handelskonflikt zwischen China und den USA. Kommt hinzu, dass die Zinspolitik der führenden Notenbanken zusätzlich für Verunsicherung sorgt.

Starker Franken beschäftigt Exporteure
Das aufgeheizte geopolitische Klima spiegelt sich auch in der Entwicklung des Schweizer Frankens. Die Zinsdifferenz erklärt den starken Franken immer weniger, vielmehr sind die internationalen Spannungen momentan der Haupttreiber: «Der Franken ist zu einem Barometer für die Stimmung in der Welt geworden. Dies hat sich im letzten Jahr besonders eindrücklich gezeigt», so Neff.

Seit Mai 2018 ist der Franken wieder stärker gesucht, da er in turbulenten Zeiten als sicherer Hafen gilt – das bleibt auch 2019 so. Martin Neff sieht auf Zwölfmonatssicht den Eurokurs bei 1,09 Franken und denjenigen des US-Dollars bei 0,96 Franken. Dies werde an den Exporten nicht spurlos vorbeigehen. Deren reales Wachstum 2019 veranschlagt Raiffeisen mit 0,6 Prozent, nachdem es 2018 noch bei 1,4 Prozent lag: «Die Währung bleibt 2019 das Thema Nummer eins für Warenexporteure, aber auch für die Tourismusbranche.»

Zinsen bleiben tief
Martin Neff rechnet für 2019 nicht mit einer Normalisierung der Zinslandschaft in der Schweiz. Der Raiffeisen Chefökonom meldet zwar Zweifel an der Wirksamkeit von Negativzinsen an, glaubt aber nicht an einen Paradigmenwechsel der Schweizerischen Nationalbank (SNB): «Die SNB wird weiter über die Zinsdifferenz argumentieren und kaum vor der Europäischen Zentralbank an der Zinsschraube drehen.»

In Europa wiederum gibt es für die Zinsen aufgrund der hohen Staatschulden nur wenig Spielraum nach oben, trotz leicht zunehmendem Aufwärtsdruck bei den Löhnen. Und in den USA ist der Zinszyklus nach Einschätzung von Neff schon sehr weit fortgeschritten, was die beträchtliche Verflachung der Zinskurve verdeutlicht.

Die anhaltend tiefen Zinsen bezeichnete der Raiffeisen Chefökonom denn auch als «Good News für Unternehmer». Bleibe die Finanzierung doch günstig. Der Zeitpunkt sei 2019 gut, um Investitionen zu tätigen, die 2018 nicht getätigt worden seien, so Neff. «In der Tendenz nochmals stärker im Bereich der Rationalisierung, weil Produktivität tatsächlich immer ein Thema bleibt.»

Stabile Immobilienpreise
Das Wachstum der Bauinvestitionen veranschlagt Raiffeisen für 2019 mit real 0,5 Prozent, nach 1,2 Prozent im Vorjahr. Vom Wirtschaftsbau und dem öffentlichen Tiefbau werden die grössten Impulse ausgehen. Im Wohnungsbau hingegen stagnieren die Investitionen. «Obwohl die Pipeline nach wie vor gut gefüllt ist, werden Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft einer Expansion der Wohnbauinvestitionen im Wege stehen», bemerkte Neff. Zudem reagiere das Angebot wie prognostiziert auf die Sättigung im Eigenheimsegment und die steigenden Leerstände bei Mietwohnungen.

Unverändert tiefe Zinsen sorgen dafür, dass der Schweizer Immobilienmarkt weiterhin hoch bewertet bleibt. Das Risiko eines Crashs der Wohnungspreise sieht Martin Neff nicht: «Im Eigenheimmarkt ist die sanfte Landung schon seit geraumer Zeit im Gang.» Das fehlende spekulative Element sei nach wie vor der wichtigste Grund, warum der Markt trotz dem hohen Preisniveau nicht absturzgefährdet sei. Im Gegensatz zum Crash der frühen Neunzigerjahre boome heute die Nachfrage echter Nutzer – sprich Wohneigentümer – und nicht etwa das Interesse von Spekulanten auf der Suche nach schnellen Gewinnen.

Die Präsentation können Sie hier downloaden. 

Bildergalerie Raiffeisen Forum, 16. Januar 2019