«Alles muss auf den Tisch»

Eine Nachfolge gelingt laut Thomas Zimmermann nur, wenn alle Beteiligten offen und ehrlich zueinander sind.

Thomas Zimmermann, Leiter RUZ Aarau-West und Begleiter

14.08.2019

Was geht in einem Patron vor, der sein Unternehmen abgibt?
Das ist für die meisten ein extrem tiefer Einschnitt im Leben. Viele haben ihre Firma jahrzehntelang geleitet. Wenn sie abgeben, ist das eine riesige Veränderung, die zu Verunsicherung führt.

Welche Art von Nachfolgeregelung ist für den Unternehmer am emotionalsten?
Ganz klar die Nachfolge in der Familie. Die Eltern sind sehr stolz, wenn sie das Unternehmen an die Kinder übergeben. Ein unglaubliches Hochgefühl! Ganz anders sieht es aus, wenn die eigenen Nachkommen zwar die entsprechende Ausbildung und die Fähigkeiten besitzen, die Firma aber trotzdem nicht übernehmen wollen. Da kann die Enttäuschung sehr tief gehen. Wenn die Kinder nicht können, braucht es eine Lösung ausserhalb der Familie.

Oft geben emotionale Gründe den Ausschlag dafür, dass der Unternehmer am Ende des Nachfolgeprozesses einen Rückzieher macht. Weshalb?
Das liegt zumeist daran, dass der Unternehmer seine Wünsche und Erwartungen als nicht gebührend berücksichtigt empfindet. Ist dies der Fall, kann es zum Abbruch kommen. Ein Beispiel: Obwohl sich die Parteien bereits über die Konditionen geeinigt haben, will der Käufer plötzlich wieder am Preis schrauben. Etliche Unternehmer reagieren darauf völlig beleidigt und beenden den Nachfolgeprozess abrupt.

Was ist in so einem Fall schiefgelaufen?
Die Nachfolge hat eine menschlich-emotionale und eine technisch-rationale Komponente. Beide müssen wie zwei Zahnräder reibungslos ineinandergreifen. Wird dem nicht Rechnung getragen, kann sich der Prozess schnell in eine eigentlich nicht gewünschte Richtung entwickeln.

Was können der Unternehmer selber, sein Umfeld oder Dritte dagegen tun? Der Unternehmer muss seine eigenen Wünsche und Erwartungen von Anfang an transparent auf den Tisch legen. Anschliessend kommunizieren die übrigen involvierten Parteien ihre Vorstellungen. Wir nennen das «Erwartungsklärung ». Es ist empfehlenswert, dafür eine neutrale Begleitperson beizuziehen.

Wie gelingt es einem Unternehmer, sich von seinem Lebenswerk zu lösen? Er muss wissen, was er nach dem Verkauf macht. Sonst kann er sich emotional nie lösen. Ich habe Fälle erlebt, in denen Unternehmer im Nachfolgegespräch erkennen, dass sie keine entsprechenden Pläne für die Zeit danach haben, und dann realisieren, dass sie noch nicht bereit sind zum Abgeben. Ein sehr wichtiger Faktor ist zudem die persönliche Vorsorge: Steht ein Unternehmer finanziell unter Druck, weil er diese nicht richtig geplant hat, wird es sehr schwierig.

Quelle: Antonelli, Elisabetta: «Alles muss auf den Tisch», in: Savoir Faire (2/2019), S. 13.